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Oosterwold — wo Bürger ihre Stadt selbst bauen

Das Konzept von Oosterwold ist radikal und gleichzeitig bestechend einfach: Die Bewohner dürfen ihr Traumhaus so bauen, wie sie es mögen — in jeder Form, die ihnen gefällt. Sie entscheiden, wie sie den öffentlichen Raum nutzen. Sie sind verantwortlich für Planung, Finanzierung und Bau — ganz ohne politische Entscheidungsträger. Die einzige Bedingung: Auf mindestens 50 Prozent jedes Grundstücks muss Platz sein für urbanes Gärtnern.

Stadtplaner Stephan Boon vom Architektenbüro MVRDV bringt es auf den Punkt: "Es geht darum, sich von staatlicher Kontrolle zu lösen und ein organisches Stadtwachstum zu fördern. Die Bewohner sollen eigeninitiativ ihre eigenen Stadtviertel gestalten — mit öffentlichen Grünflächen, Energie-, Wasser- und Abfallmanagement, städtischer Landwirtschaft und Infrastruktur."

Wo vor zwölf Jahren noch ein Kartoffelacker war, ist heute eine lebendige Gemeinschaft entstanden — mit Gewächshäusern, Gemüsegärten, Ställen und einem lokalen Markt, auf dem die Bewohner ihre selbst angebauten Lebensmittel verkaufen.

Holz statt Beton — sozial und nachhaltig

Auch beim Baustoff denken die Niederländer neu. In der niederländischen Architektur setzt man zunehmend auf Holz — genauer gesagt auf Cross-Laminated Timber (CLT), massive Holzplatten, die kreuzweise verleimt sind. Das Ergebnis ist ein Material, das extrem stark und sogar brandfest ist — und dennoch nachwächst. MINI Deutschland

Ein konkretes Beispiel: Das Start-up Moos begegnet der Wohnungsnot in den Niederlanden mit modularem Holzbau. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Concrete baut es nicht nur leistbare und nachhaltige Wohnungen, sondern macht den sozialen Wohnungsbau auch wirklich wieder sozial. Die Fertighäuser sind modular aufgebaut — und falls erforderlich vollständig demontier- und wiederverwendbar. Kein Abriss, kein Abfall, kein Wegwerfen. Netflix

Amsterdam — die zirkuläre Stadt

In Amsterdam geht man noch einen Schritt weiter. Im Stadtteil Buiksloterham entstehen kollektiv entwickelte Nullenergie-Wohnviertel. Die Niederlande haben sich das Ziel gesetzt, bis 2050 alle Bauaktivitäten der Kreislaufwirtschaft zu verpflichten. Gebäude werden so geplant, dass ihre Materialien am Ende eines langen Lebens wieder vollständig in den Kreislauf zurückfließen.

Im Holzbau-Projekt "Go Buiksloterham" etwa bestehen Wände, Böden und Decken überwiegend aus Holz. Jede Wohnung verfügt über 20 bis 30 Quadratmeter Außenraum — Balkone, Gärten, Dachterrassen. Lebensqualität statt Quadratmeter-Optimierung.

Was wir daraus lernen können

Die Niederlande zeigen: Wohnungsbau muss keine Frage des Entweder-oder sein. Entweder bezahlbar oder schön. Entweder nachhaltig oder schnell. Entweder gemeinschaftlich oder individuell.

Es geht auch anders — wenn man Menschen und nicht Rendite in den Mittelpunkt stellt. Wenn man Bürger als Gestalter ernst nimmt und nicht nur als Konsumenten von Wohnraum. Wenn man Holz statt Beton wählt und Kreislauf statt Wegwerfen denkt.

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft aus dem kleinen Land am Meer, das sich seine Existenz selbst dem Wasser abgetrotzt hat: Wo ein Wille ist — und ein gutes Konzept — ist auch ein Weg.

🌿 Mehr entdecken

Wer tiefer in das Thema eintauchen möchte, findet unter folgenden Stichworten viele weitere Informationen:

  • Almere Oosterwold — das selbstverwaltete Öko-Viertel
  • Moos Euterpe — modularer Holzwohnbau in den Niederlanden
  • Buiksloterham Amsterdam — die zirkuläre Stadt der Zukunft
  • Cross-Laminated Timber (CLT) — der Baustoff der Zukunft